SANIEREN MIT SACHVERSTAND

Die fachlichen Anforderungen der Förderprogramme zur energetischen Gebäudesanierung

NRW. Um die neue steuerliche Förderung oder die Förderprogramme der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) für die energetische Sanierung Ihres Eigenheims nutzen zu können, brauchen Sie die Hilfe von Sanierungsexperten. Das Dilemma: Viele nennen sich Experten, nicht alle sind es. Wer ist wirklich kompetent und wer passt zu Ihrem Projekt? Wie Sie den richtigen Sanierungspartner finden, verraten wir hier.

EXPERTEN SIND PFLICHT

Falsche Sanierungsmaßnahmen beim Altbau verschlingen nicht nur unnötig Geld bei der Investition, sondern können in der Folge auch richtig teuer werden oder sogar die Bausubstanz schädigen. Ist zum Beispiel die Dämmung falsch dimensioniert, nicht korrekt oder lückenhaft montiert, könnte es z.B. an Kältebrücken zu Feuchtigkeit oder Tauwasser kommen. Deshalb ist bei der Förderung durch die KfW-Bank die Begleitung der Sanierung durch einen Experten Pflicht. Damit Sie nicht nur Energie sparen, sondern neben Ihrem Geldbeutel auch die Bausubstanz Ihres Hauses und Ihre Gesundheit schützen.

Für eine KfW-Förderung müssen Bauherren einen Energieeffizienz-Experten mit der Planung, Antragstellung und Durchführung der Sanierung beauftragen. Dies gilt zum Beispiel für die Sanierungsprogramme 151/152 und 430: Hier werden energetische Einzelmaßnahmen, darunter die Dämmung von Dächern, Wänden und Geschossdecken, jetzt mit 20% der Investitionssumme gefördert. Das entspricht bis zu 10.000 Euro pro Einzelmaßnahme. Entsteht bei einer umfassenderen Sanierung ein sogenanntes KfW-Effizienzhaus (KfW-Denkmal, 115, 100, 85, 70, 55), sind sogar Zuschüsse bis zu 48.000 Euro möglich.

Außerdem empfiehlt die KfW schon vor der Planung eine Energieberatung durch einen Energieberater oder Energieeffizienz-Experten. Das ist zwar nur optional, aber bei umfangreicheren Sanierungsmaßnahmen werden alle kompetenten und seriösen Fachleute eine Erstdiagnose durchführen. Auch diese sogenannte „Vor-Ort-Beratung“ wird seit dem 1. Februar 2020 besser gefördert. Besitzer von Ein- oder Zweifamilienhäusern können nun mit einem Förderhöchstsatz von 1.300 Euro (vorher 800 Euro) rechnen.

WER IST EXPERTE?

Für Laien ist oft nur schwer zu erkennen, wer denn eigentlich ein kompetenter Experte im Sinne der Förderauflagen ist. Denn „Energieberater“ ist kein geschützter Begriff. Die dena (Deutsche Energieagentur) macht es Ihnen aber leicht: Sie führt eine Liste mit anerkannten Energieeffizienz-Experten, die eine förderfähige Planung leisten können. Auf diese Liste dürfen nur Fachleute, die ein bautechnisches oder (bau)physikalisches Hochschulstudium oder eine entsprechende Ausbildung in diesem Bereich vorweisen können. Außerdem müssen sie eine Zusatzqualifikation im Bereich Gebäudeenergie absolvieren, jährlich an Weiterbildungen teilnehmen und mehrere Jahre Praxiserfahrung nachweisen. Die dena überprüft außerdem regelmäßig und in Stichproben bereits registrierte Energieeffizienz-Experten und die Qualität ihrer realisierten Projekte.

Sie können sich übrigens auch an die Ingenieurs- und Architektenkammern wenden. Die hier gelisteten Energieberater erfüllen ebenfalls die genannten, hohen Qualitätskriterien. Wer also auf einer dieser Listen steht, kann sich mit Fug und Recht „Energieexperte“ nennen.

WAS SIND FACHUNTERNEHMEN?

Für die steuerliche Förderung, bei der Haussanierer drei Jahre lang von Steuervorteilen bis zu 40.000 Euro durch das Finanzamt profitieren können, gilt die Auflage, dass ein Fachunternehmen die Sanierung durchführen muss. Der Begriff „Fachunternehmen“ ist zwar nicht geschützt, aber in der Verordnung über die Mindestanforderungen für die steuerliche Förderung ist eine Liste an Gewerken enthalten, die als Fachunternehmen gelten. Wer sichergehen will, dass das beauftragte Unternehmen eine entsprechende Expertise hat, der schaut am besten auf die Mitgliederlisten der Handwerkskammern.

Allgemein ist der Meistertitel eine sehr gute Voraussetzung, um die Fachqualität eines Betriebs zu sichern. Deshalb hat die Bundesregierung seit dem 01.01.2020 den Meistertitel für zwölf Handwerksberufe wiedereingeführt, insgesamt sind damit über fünfzig Gewerke mit dem Meister geschützt. Darunter fallen auch verschiedene Gewerke, die Sie für eine Gebäudesanierung und damit auch Dämmmaßnahmen benötigen.

„Wenn Sie etwa Ihr Haus mit Mineralwolle (Steinwolle oder Glaswolle) dämmen möchten, beauftragen Sie für komplexere Baumaßnahmen z.B. Unternehmen aus Ihrer Region. Diese haben üblicherweise viel Erfahrung bei der Sanierung mit Mineralwolle und kennen somit alle Verarbeitungsschritte genau. Durch den fachgerechten Einbau kann eine Mineralwolldämmung ihre Dreifach-Wirkung aus optimalem Brand-, Schall- und Wärmeschutz voll entfalten“, sagt Dr. Thomas Tenzler, Geschäftsführer des FMI Fachverband Mineralwolleindustrie e.V. (FMI).

NEUERUNGEN FÜR FACHUNTERNEHMEN

Sie würden gerne einen Experten beauftragen, aber es findet sich keiner, der Zeit hat? Die gute Konjunktur und das steigende Klimabewusstsein sorgen bei den Handwerkern für volle Auftragsbücher. Hier sind die Unternehmen gefragt, schnell zu handeln und die gesetzliche Neuerung jetzt zu nutzen: Denn ab 2020 gelten diverse Erleichterungen, um unter anderem die Ausbildung noch attraktiver zu machen und ausreichend Sanierungsexperten für die Zukunft zu qualifizieren. Seit Januar gilt zum Beispiel das Berufsbildungsgesetz mit einer gesetzlichen Mindestausbildungsvergütung, ab März gilt das zeitlich befristete Fachkräfteeinwanderungsgesetz und die ebenfalls befristete Ausbildungs- und Beschäftigungsduldung. Ab August werden Ausbildungen zum Meister finanziell noch stärker gefördert und schon seit Januar mit dem Titel Bachelor Professional gewürdigt.

Für die unterschiedlichen Gewerke bei der Gebäudesanierung ist dieser kommende Frühling also die perfekte Zeit, um neue Mitarbeiter zu gewinnen, nach hohen Qualitätsstandards auszubilden und so die Nachfrage nach förderfähigen Sanierungen zu erfüllen. Der Sanierung mit einer finanziellen Förderung und dem nötigen Sachverstand steht also 2020 nichts mehr im Wege.

Quelle: FMI Fachverband Mineralwolleindustrie e.V.

Über den Dächern von Wesel

Azubis starten ihre Ausbildung beim Dachdeckerbetrieb Weber Bedachungen GmbH

WESEL. Hoch hinaus geht es für gleich drei Auszubildende seit dem 1. August dieses Jahres im Meisterbetrieb Weber Bedachungen GmbH an der Rudolf-Diesel-Straße 72. Dennis Sayman, Jason König und Ioanis Reinhardt haben ihre Dachdecker-Lehre im Weseler Traditionsunternehmen begonnen. Geht alles glatt, dürfen die neuen Lehrlinge in drei Jahren ihre Gesellenprüfung ablegen. Der Jüngste im Bunde ist Jason König. Mit gerade mal 16 Jahren ist er ins Berufsleben gestartet: „Ich wollte lieber eine anständige Ausbildung machen, statt weiter zur Schule zu gehen“, berichtet König. Der Beruf des Dachdeckers mache ihm einfach riesigen Spaß.

Ein bisschen mehr Luft im Berufsleben schnuppern konnten hingegen Dennis Sayman (24) und Ioanis Reinhard (19). Beide absolvierten bereits vorab Praktika in Dachdeckerbetrieben. „Dennis hat bei uns sein dreiwöchiges Praktikum absolviert. Dabei hat er sich gut geschlagen. Wir freuen uns deshalb, dass er nun bei uns seine Ausbildung begonnen hat“, so Christian Weber, der das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Ingo in zweiter Generation führt. Nach der Gesellenprüfung soll für Dennis Sayman aber noch lange nicht Schluss sein. Der junge Mann möchte nach der Lehre die Meisterschule besuchen. Doch diese Qualifizierung sei alles andere als preiswert.

Rund 15.000 Euro koste die Qualifizierung zum Meister. Und auch Ioanis Reinhardt kam durchs Praktikum zum Traumberuf. „Die Arbeit des Dachdeckers ist sehr vielfältig und abwechslungsreich. Man muss allerdings das Arbeiten auf einer Baustelle mögen. Alle Azubis müssen zudem natürlich höhentauglich sein“, erklärt Reinhardt. Bereits seit Jahrzehnten werden bei Webers junge Menschen zu Dachdeckern ausgebildet. „Ausgebildete und qualifizierte Fachkräfte sind in der Branche nur schwer zu finden. Entweder sind diese Leute selbstständig oder in festen Anstellungen. Daher bilden wir unsere Dachdecker am liebsten selbst aus. Mehr als 50 Prozent der heutigen Mitarbeiter sind ehemalige Lehrlinge“, berichtet Ingo Weber. Auf eine Sache ist man im Familienbetrieb an der Rudolf-Diesel-Straße besonders stolz. „Bei uns haben bislang alle Azubis ihre Prüfung zum Dachdecker bestanden. Das ist eine tolle Leistung, wenn man bedenkt, dass bei einigen Prüfungen 50 Prozent der Lehrlinge bei der Handwerkskammerprüfung in Düsseldorf durchfallen“, so Christian Weber. 75 Prozent der ehemaligen Azubis blieben zudem im Betrieb. „Einige von ihnen sind Innungsbeste“, freuen sich die Chefs.

Dass der Meisterbetrieb erste Adresse für eine Ausbildung ist, zeigten auch die Bewerbungszahlen. Ingo Weber: „Rund 90 Bewerbungen haben wir alleine in diesem Jahr erhalten. Das macht uns natürlich mächtig stolz.“ Und wie sieht es mit weiblichen Auszubildenden in dieser Berufsbranche aus? Ingo Weber: „Frauen sind in diesem Beruf eher selten zu finden. Dabei hat die Ausbildung sich stark gewandelt. Wo einst körperliche Kraft gefragt war, sind heute eher mathematische Kenntnisse erforderlich. Wir freuen uns daher besonders, ab September eine Jahrespraktikantin bei uns begrüßen zu dürfen.

Weitere Infos unter: www.weberbedachungen.de

Bild: Links: Dennis Sayman, Mitte: Jason König, Rechts: Ioanis Reinhard

Foto: Rüdiger Marquitan Text: Rüdiger Marquitan